Vom Fluch der Technik

Reiseplanung mit Garmin nüvi 2595

Mit dem Bulli unterwegs zu sein, bedeutet für uns nicht, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Bereits die Fahrt ist das Ziel. Statt monoton über die Autobahn zu hetzen, fahren wir gerne übers Land, entdecken neue Landschaften und Orte und nehmen dafür auch mal einen Umweg in Kauf.

Garmin Nüvi 2595
Garmin Nüvi 2595

Ganz ohne Vorbereitung geht das aber nicht, will man wirklich den schönsten Weg von A nach B finden. Beim Wandern planen wir doch auch. Zunächst suchen wir uns ein nettes Wandergebiet aus, laden uns aus dem Internet einen interessanten Track herunter oder entwerfen ihn am Rechner selbst, kopieren den Track auf unser Wander-GPS und los geht es.

Was liegt näher, als genauso bei der Anreise mir dem Bulli zu verfahren. Am Rechner eine schöne Anfahrtsstrecke zusammenstellen, auf das Straßennavigationsgerät übertragen und schon leitet uns die nette Frauenstimme entspannt über atemberaubende Strecken. Ja, so naiv kann man als Verbraucher sein. 

Garmin Basecamp
Garmin Basecamp

Im Herbst 2013 habe ich mich mit genau dieser Vorstellung auf die Suche nach einem neuen Navigationsgerät gemacht. Die ersten Recherchen im Internet haben mich schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt, denn bei den meisten Straßennavis konnte eine Route allenfalls mühevoll am Gerät selbst geplant werden. Allein die Geräte von Garmin warben damals bereits mit einer entspannten Reiseplanung am Computer mithilfe des kostenlosen Programms Basecamp. Da ich mit dem Programm Basecamp bereits einige Wanderrouten geplant hatte, wurde ich stolzer Besitzer eines Garmin Nüvi 2595 LM.

Und tatsächlich, in den ersten Monaten klappte die Reiseplanung auch tatsächlich fast genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. In Basecamp legte ich zunächst Startpunkt und Endziel der Reise als Wegpunkt an ebenso wie einige Zwischenziele, die ich in jedem Falle anfahren wollte, wie z. B. Wanderparkplätze oder Sehenswürdigkeiten. Aus diesen Wegpunkten errechnete Basecamp dann eine Route. Diese Route konnte ich meinen Vorstellungen anpassen, indem ich die Route mit der Maus beispielsweise von der Autobahn auf eine Nebenstraße verschob. Das Programm erstellte an dieser Stelle einen neuen Routenpunkt, der als weiteres Zwischenziel in der Route gespeichert wurde. Die Route schob ich so lange hin und her, bis sie meinen Vorstellungen entsprach. Anschließend wurde sie auf das Navigationsgerät übertragen.

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App Routenplanung importiert Route

Im Navigationsgerät war die Route zunächst nur im Speicher abgelegt. Erst wenn die App Routenplanung geöffnet wurde, wurden die Ziele von der App automatisch eingelesen und die Route neu berechnet. Die Neuberechnung konnte allerdings dazu führen, dass die Strecke, über die mich das Navi leitete, etwas von der in Basecamp geplanten Route abwich. Selbst wenn die Routenpräferenzen im Navi und in Basecamp gleich eingestellt waren, konnten die unterschiedlichen Berechnungsalgorithmen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Bei geschickter Wahl der Zwischenziele fiel diese Abweichung in der Praxis aber kaum auf, denn die Zwischenziele wurden immer angefahren.

Zu Anfang beging ich noch den Fehler, meine Zwischenziele direkt auf Kreuzungen oder Abzweigungen zu legen. Während der Fahrt benötigt das Navi jedoch ein bis zwei Sekunden, ehe es nach Erreichen eines Zwischenziels die weitere Strecke anzeigte. So mussten wir im Kreisverkehr mehrere Runden drehen, ehe uns die richtige Abzweigung angezeigt wurde.

Wollten oder mussten wir einmal von der geplanten Route abweichen, berechnete das Navi automatisch den Weg zum nächsten Zwischenziel. Wollten wir die Reise abkürzen, konnten wir in der App einfach ein Zwischenziel auswählen, das als Nächstes angefahren und von dem aus die Route fortgesetzt werden sollte. Soweit so gut.

Im Spätsommer 2014 plante ich dann eine Reise in die Eifel. Die Planung war vergleichsweise simpel. Gegen Mittag wollten wir einen Wanderparkplatz anfahren, um von dort einen der Traumpfade zu wandern. Anschließend sollte es am späten Nachmittag zu einem Campingplatz weitergehen. Aus diesen Wegpunkten ließ ich Basecamp eine Route berechnen, die ich nur um einen Routenpunkt ergänzte, um die Autobahn früher zu verlassen. Als ich die Route auf das Navi übertragen wollte, forderte mich das Programm auf, sogleich auch eine Firmwareaktualisierung durchzuführen. Klasse, denn einige der Probleme, die das Update beheben sollte, hatten mich auch schon mal genervt. Also Update aufspielen, Route übertragen und los.

Tatsächlich führte uns das Navi wie geplant von der Autobahn ab und durch die wunderschöne Eifel. Doch kurz vor dem Parkplatz war ich unaufmerksam und verpasste eine Abzweigung. Kein Problem dachte ich, die Route wurde ja sogleich neu berechnet. Im Vertrauen auf die Allmacht der aktualisierten Technik folgte ich den Anweisungen der netten Frauenstimme. Zwar wunderte es mich, wie weit der Weg zum Parkplatz dann doch noch war. Doch erst als wir mittags plötzlich vor einem Campingplatz standen, wurde mir klar, dass mein Navi ganz andere Ziele verfolgte als ich.

Zwischenziele in der App
Zwischenziele in der App

Aus Schaden klug geworden, kontrolliere ich seit her akribisch, ob die Navi-App alle meine geplanten Zwischenziele importiert. Es zeigte sich, dass seit dem Update bei jedem Import mindestens ein Zwischenziel, in der Regel sogar mehrere von der App ignoriert werden. Ohne erkennbare Systematik schmeißt die App unliebsame Ziele raus, egal ob es sich um Wegpunkte oder Routenpunkte handelt.

Bei der Suche nach einer Lösung des Problems erfuhr ich, dass sich wohl insbesondere Motorradfahrer darüber beschwert haben, dass eine Route nicht exakt so wie geplant auf das Navigationsgerät übertragen werden konnte. Verständlich, wenn ich zuvor genau wissen will, an welcher Stelle mich das Motorrad aus der Kurve trägt, muss die geplante Route 1:1 auf das Navi übertragen werden. Und genau dies geschieht seit dem Update. Alle in Basecamp angelegten Winkel und Schleifen werden nach der Übertragung genau so in der Navi-App wiedergegeben.

Eigentlich ein Fortschritt, könnte man glauben. Werden bei einer 1:1-Übertragung der Route Zwischenziele doch überflüssig. Tatsächlich gibt es in Basecamp auch die Option, sämtliche Zwischenziele einer Route vor der Übertragung an das Navi zu löschen. Wie mein Beispiel jedoch zeigt, wird es problematisch, wenn man während der Fahrt von der geplanten Route abweicht, egal ob gewollt oder ungewollt. In diesem Falle berechnet das Navi die Route zum nächsten Ziel neu und ohne Zwischenziele ist das nächste Ziel immer das Endziel. Die Neuberechnung der Route kann bei Geräten der nüvi-Reihe nicht deaktiviert werden.

Also sollte man auch weiterhin seine Route mit allen Zwischenzielen ins Navi importieren. Doch genau das klappt seit dem Update nicht mehr, da die App wahllos mal mehr mal weniger Zwischenziele ignoriert. Bleibt also nur die Möglichkeit, nach dem Import der Route die in der Navi-App fehlenden Zwischenziele mühsam per Hand nachzutragen. Da nach dem Hinzufügen weiterer Ziele die Route neu berechnet wird, geht damit allerdings auch der Vorteil der 1:1-Übertragung wieder verloren.

Meine Anfrage beim Garmin-Support blieb bis heute im Übrigen unbeantwortet. So kann ich mich an dieser Stelle nur dafür bedanken, dass mir das Firmwareupdate zumindest ein Thema für einen Blogeintrag geliefert hat.

Danke Garmin.

Update 24. Juni 2015:

Garmin hat sich heute gemeldet und mit folgende Anleitung zukommen lassen:

In der Grundansicht, „Zieleingabe“ auf der einen und „Karte“ auf der anderen Seite, tippen Sie bitte auf „Karte“ und dann unten auf die Tempoanzeige.

Sie befinden sich nun im Reisecomputer. Dort halten Sie einen Finger auf den Tacho oben in der Mitte so lange gedrückt, bis Sie ins Entwicklermenü gelangen.

Wählen Sie dort unter „MTP Settings“ bzw. unter „Configuration and Settings -> MTPSettings“, je nachdem welche der beiden Optionen auf Sie zutrifft, den Eintrag „Mass Storage“ und gehen auf „Speichern“.

Als nächstes halten Sie den Ein-/Ausschalter solange gedrückt, bis das Gerät Ihnen anbietet es auszuschalten.

Machen Sie das und verbinden es dann mit Ihrem Computer und wiederholen >Sie bitte das Software Update.

Leider ist mein Problem auch danach weiterhin aufgetreten. Also abwarten…

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